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Meine Roller Touren 2008

roller touren 2008

"I was riding
Riding on a bike
Me with my friend
We're so alike"

[Red Hot Chili Peppers]




März 2008

Die schreckliche rollerlose Zeit ist ja nun vorbei, wenn jetzt auch das Wetter mitspielen würde (und auch der im März fällige TÜV seinen Segen gibt), dann steht einem erfolgreichen Saisonstart nichts mehr im Wege. Und den Winter habe ich genutzt, um eifrig Pläne zu schmieden und Landkarten zu studieren - mal schauen welche "Tourenträume" heuer verwirklicht werden können!



Unterwegs
UnterwegsUnterwegs



Mai 2008: Tagesausflug nach Berchtesgaden

Rosenheim - Achenmühle - Frasdorf - Aschau - Bernau - Reit im Winkl - Schneizlreuth - Schwarzbachwachtsattel - Ramsau - Berchtesgaden - Obersalzberg - Roßfeld Panoramastraße (1543 m) - Königsee - Schönau - Schneizlreuth - Inzell - Traunstein - Seebruck/Chiemsee - Bad Endorf - Rosenheim

Gemeinsam mit meiner Frau habe ich diese wunderschöne Tagestour unternommen (rund 250 km), leider ohne Bilder da Kamera vergessen. Zuerst parallel zur Autobahn auf wenig befahrenen Landstraßen, dann auf der Deutschen Alpenstraße über Reit im Winkl durch das Naturschutzgebiet Östliche Chiemgauer Alpen, vorbei an den landschaftlich schön gelegenen Seen Weitsee und Lödensee. Über den Schwarzwachtsattel geht es Richtung Berchtesgaden und dort mit einer längeren Steigung von 24% auf den Obersalzberg mit seinem Dokumentationszentrum. Anschließend sollte man sich die Roßfeld Panoramastraße nicht entgehen lassen - die Scheitelstrecke führt auf knapp 1550m Höhe an einem Grat entlang und bietet herrliche Ausblicke sowohl auf das Voralpenland wie auch auf viele Alpengipfel. Bei unserem Besuch lag noch meterweise Schnee neben der Straße, daher mußte der geplante Besuch des spektakulären Kehlsteinhauses ausfallen, da dieses noch geschlossen war.

Nachdem wir ausgiebig die Aussichten genossen hatten, ging es mit einem kurzen Stopp am Königssee über Schneizlreuth und Traunstein sowie am Chiemsee entlang (mit schöner Abendstimmung) zurück Richtung Heimat.




Mai/Juni 2008: In den tiefen Süden Italiens

Diese Reise hatte ich schon länger geplant, aber wegen des Unfalls und aufgrund von beruflichen Verpflichtungen immer wieder verschieben müssen. Dieses Jahr passte aber alles, und es wurde die bisher schönste Tour. Auf dem Roller in mehreren Tagesetappen bis nach Kalabrien, dort jeweils mehrere Tage auf zwei Campingplätzen und zurück größtenteils per Autoreisezug.

Die englischen Texte in kursiv stammen aus dem Reisebericht "Old Calabria" des schottischen Schriftstellers Norman Douglas, geschrieben im Jahr 1915. Dieser Reisebericht ist als eBook beim Project Gutenberg frei erhältlich (als Download oder zum online Lesen). Ein sehr empfehlenswerter Reisebericht für Süditalien aus einer ganz anderen Zeit!



Tag 1: Inntal - Patsch - Ellbögen - Brennerpass (1374 m) - Bozen - Rovereto - Sant' Ambrogio - Pastrengo - Lazise - Pacengo; 410 km

Viel Verkehr aufgrund des langen Wochenendes und unterwegs mehrere starke Gewitterschauer. Übernachtung auf dem "Le Palme Camping" in Pacengo di Lazise (Kosten für die Übernachtung EUR 15,80). Achtung: In der Gegend gibt es einige Campingplätze, die keine Motorradfahrer aufnehmen!


Tag 2: Peschiera - Roverbella - Nogara - Ostiglia - Occhiobello - Umfahrung Ferrara - Argenta - Alfonsine - Umfahrung Ravenna - Cervia - Rimini - Pesaro - Torrette di Fano/Marotta; 330 km

Langsames Vorwärtskommen auf der Küstenstraße, viel Verkehr, viele Roller. Irgendwann habe ich genug und gehe auf den Camping "Stella Maris" bei Torrette di Fano (Kosten für die Übernachtung EUR 15,50; der Inhaber kommt mir entgegen und berechnet mir freundlicherweise nur den halben Platz). Den Stress der Küstenstraße vertreibe ich mit einem schönen, langen Strandspaziergang. Am Abend lerne ich an der Bar des Campingplatzes ein nettes Ehepaar aus Fürth kennen, die dort den Urlaub verbracht haben und ihren letzen Abend begießen. Es wird ein langer Abend...


Tag 3: Senigallia - Umfahrung Ancona - Sirolo - Numana - Civitanova - San Benedetto - Roseto degli Abruzzi; 175 km

Noch etwas benommen vom letzten Abend gehe ich es heute ganz ruhig an und beschließe, nur den Rest der gestern geplanten Strecke zu fahren. Die Ecke südlich von Ancona gefällt mir sehr gut, diese Gegend merke ich mir für eine spätere Tour. Südlich von Roseto degli Abruzzi gehe ich auf den "Eurcamping" (Kosten für die Übernachtung EUR 12,00).


Blick auf den Gran Sasso
Blick auf den Gran SassoBlick auf den Gran Sasso



Corno Grande
Corno GrandeCorno Grande




Tag 4: Scerne - Faiete - Scorrano - Bisenti - Cupoli - Farindola - Vado di Sole (1621 m) - Campo Imperatore - Castel del Monte - Ofena - Popoli - Sulmona - Isernia - Bojano - Vinchiaturo - Jelsi - Gambatesa - Pietracatella; 350 km

Heute geht es ins Landesinnere und weiter Richtung Süden. Absoluter Höhepunkt nicht nur dieser Tour ist die Gegend rund um den Campo Imperatore im Nationalpark Gran Sasso. Kleine, kurvige Nebenstraßen führen mich von Meereshöhe hoch auf immerhin 1600 m und von dort ein paar Höhenmeter hinunter in die riesige, eindrucksvolle Hochebene des Campo Imperatore. Während es dort noch angenehm kühl ist, wird es im Tal hinter Ofena so richtig heiß.

In der Gegend Gambatesa gibt es keine Campingplätze, und ich habe Mühe, eine Unterkunft zu finden. Schließlich übernachte ich in der Nähe von Campobasso als einziger Gast im Hotel "La Rondine" bei Pietracatella (Kosten für die Übernachtung und Frühstück EUR 25,00). Neben meinem Zimmerschlüssel erhalte ich auch einen Schlüssel für den Hoteleingang - denn nachts ist außer mir niemand im Hotel! Das ist schon etwas gruselig, nach dem Abendessen durch dunkle und geräuschlose Hotelkorridore zum Zimmer zu gehen. Das Abendessen im naheliegenden Restaurant ist sehr lecker und extrem billig - EUR 11,20 für Antipasto, Primo, Vino und Digestivo.


Campo Imperatore
Campo ImperatoreCampo Imperatore



Campo Imperatore
Campo ImperatoreCampo Imperatore



Campo Imperatore
Campo ImperatoreCampo Imperatore



Castel del Monte
Castel del MonteCastel del Monte




Tag 5: Volturara Appula - Coppa San Pietro (890 m) - Motta Montecorvino - Lucera - Troja - Palazzo d`Ascoli - Candela - Rionero in Vulture - Umfahrung Potenza - Pietrapertosa - Accettura - Stigliano - Craco - Scanzano Ionico - Policoro - Marina di Amendolara - Trebisacce - Sibari; 400 km

Fahrt durch unterschiedliche Landschaften - hügelig am Anfang, in Apulien dann weite, heiße Ebenen, bei Pietrapertosa schöne Felsformationen der Dolomiti Lucane, anschließend Waldgebiete, gefolgt von kargen, abgeholzten Hügeln und verlassenen Dörfern und am Schluß eine abwechslungsreiche Küstenlandschaft. Am Abend erreiche ich erschöpft, aber voll neuer Eindrücke, den schön direkt am Meer gelegenen, großen Campingplatz "Thurium", der für die nächsten Tage mein Zuhause sein soll (Kosten für die Übernachtung EUR 10,00).


Volturara Appula
Volturara AppulaVolturara Appula



Hoch zur Coppa San Pietro
Hoch zur Coppa San PietroHoch zur Coppa San Pietro


Dolomiti Lucane
Dolomiti LucaneDolomiti Lucane



Pietrapertosa
PietrapertosaPietrapertosa


Craco
CracoCraco



Landschaft bei Craco
Landschaft bei CracoLandschaft bei Craco




Tag 6: Strandtag


Campingplatz Thurium
Campingplatz ThuriumCampingplatz Thurium



Strand
StrandStrand


    There is a type of physiognomy here which is undeniably Semitic - with curly hair, dusky skin and hooked nose. We may take it to be of Saracenic origin, since a Phoenician descent is out of the question, while mediaeval Jews never intermarried with Christians. It is the same class of face which one sees so abundantly at Palermo, the former metropolis of these Africans. The accompanying likeness is that of a native of Cosenza, a town that was frequently in their possession. Eastern traits of character, too, have lingered among the populace. So the humour of the peddling Semite who will allow himself to be called by the most offensive epithets rather than lose a chance of gaining a sou; who, eternally professing poverty, cannot bear to be twitted on his notorious riches; their ceaseless talk of hidden treasures, their secretiveness and so many other little Orientalisms that whoever has lived in the East will be inclined to echo the observation of Edward Lear's Greek servant: "These men are Arabs, but they have more clothes on."
    In 873, on their return from Salerno, they poured into Calabria, and by 884 already held several towns, such as Tropea and Amantea, but were driven out temporarily. In 899 they ravaged, says Hepi-danus, the country of the Lombards (? Calabria). In 900 they destroyed Reggio, and renewed their incursions in 919, 923, 924, 925, 927, till the Greek Emperor found it profitable to pay them an annual tribute. In 953, this tribute not being forthcoming, they defeated the Greeks in Calabria, and made further raids in 974, 975; 976, 977, carrying off a large store of captives and wealth. In 981 Otto II repulsed them at Cotrone, but was beaten the following year near Squillace, and narrowly escaped capture. It was one of the most romantic incidents of these wars. During the years 986, 988, 991, 994, 998, 1002, 1003 they were continually in the country; indeed, nearly every year at the beginning of the eleventh century is marked by some fresh inroad. In 1009 they took Cosenza for the third or fourth time; in 1020 they were at Bisignano in the Crati valley, and returned frequently into those parts, defeating, in 1025, a Greek army under Orestes, and, in 1031, the assembled forces of the Byzantine Catapan [...] But they never attained their end, the subjection of the mainland.
    It is therefore no exaggeration to say that the coastal regions of south Italy were practically in Arab possession for centuries, and one is tempted to dwell on their long semi-domination here because it has affected to this day the vocabulary of the people, their lore, their architecture, their very faces—and to a far greater extent than a visitor unacquainted with Moslem countries and habits would believe. Saracenism explains many anomalies in their mode of life and social conduct.



Corigliano Calabro
Corigliano CalabroCorigliano Calabro




Tag 7: Corigliano Calabro - Santa Maria del Patire - Rossano - Paludi - Cropalati - Longobucco - Sila - Bocchigliero - Caloveto - Sibari; 240 km

Heute erkunde ich die Umgebung von Sibari und fahre auf extrem kurvenreichen Strecken hoch in die kühlen, einsamen Waldgebiete der Sila. Bei der kleinen Kirche "Santa Maria del Patire" mache ich das erste Mal Bekanntschaft mit wilden Hunden der Gegend, die mich beim Rangieren auf dem Parkplatz wild bellend umringen und mir einen gehörigen Schreck einjagen. Später erfahre ich, das das gar nicht so selten in dieser Gegend ist und das beste Mittel dagegen wäre, nach unten zu greifen und einen Stein nach den Viechern zu schmeißen bzw. so zu tun als ob. Ob es hilft, mußte ich gottseidank nicht austesten, denn es gab zwar noch einige derartige Situationen, aber da war ich jedesmal in Fahrt.


Santa Maria del Patire
Santa Maria del PatireSanta Maria del Patire



Santa Maria del Patire
Santa Maria del PatireSanta Maria del Patire




    The view from these my new quarters at Rossano compensates for divers other little drawbacks. Down a many-folded gorge of glowing red earth decked with olives and cistus the eye wanders to the Ionian Sea shining in deepest turquoise tints, and beautified by a glittering margin of white sand. To my left, the water takes a noble sweep inland; there lies the plain of Sybaris, traversed by the Crathis of old that has thrust a long spit of fand into the waves. On this side the outlook is bounded by the high range of Pollino and Dolcedorme, serrated peaks that are even now (midsummer) displaying a few patches of snow. Clear-cut in the morning light, these exquisite mountains evaporate, towards sunset, in an amethystine haze. A restful prospect.

    The streamlet Trionto, my companion to Longobucco, glides along between stretches of flowery meadow-land—fit emblem of placid rural contentment. But soon this lyric mood is spent. It enters a winding gorge that shuts out the sunlight and the landscape abruptly assumes an epic note; the water tumbles wildly downward, hemmed in by mountains whose slopes are shrouded in dusky pines wherever a particle of soil affords them foothold. The scenery in this valley is as romantic as any in the Sila. Affluents descend on either side, while the swollen rivulet writhes and screeches in its narrow bed, churning the boulders with hideous din.

    The men who gave the French so much trouble were political brigands, allies of Bourbonism. They were commanded by creatures like Mammone, an anthropophagous monster whose boast it was that he had personally killed 455 persons with the greatest refinements of cruelty, and who wore at his belt the skull of one of them, out of which he used to drink human blood at mealtime; he drank his own blood as well; indeed, he "never dined without having a bleeding human heart on the table." This was the man whom King Ferdinand and his spouse loaded with gifts and decorations, and addressed as "Our good Friend and General—the faithful Support of the Throne."

    Wonderful tales are still told of the brigands in these forests. They will show you notches on the trees, cut by such and such a brigand for some particular purpose of communication with his friends; buried treasure has been found, and even nowadays shepherds sometimes discover rude shelters of bark and tree trunks built by them in the thickest part of the woods. There are legends, too, of caverns wherein they hived their booty—caverns with cleverly concealed entrances—caverns which (many of them, at least) I regard as a pure invention modelled after the authentic brigand caves of Salerno and Abruzzi, where the limestone rock is of the kind to produce them. Bourbonism fostered the brood, and there was a fierce recrudescence in the troubled sixties. They lived in bands, squadrigli, burning and plundering with impunity. Whoever refused to comply with their demands for food or money was sure to repent of it.

    One must go to the fountain-head, to the archives, in order to gain some idea of the sanguinary anarchy that desolated South Italy in those days. The horrors of feudalism, aided by the earthquake of 1784 and by the effects of Cardinal Ruffo's Holy Crusade, had converted the country into a pandemonium. In a single year (1809) thirty-three thousand crimes were recorded against the brigands of the Kingdom of Naples; in a single month they are said to have committed 1200 murders in Calabria alone. These were the bands who were described by British officers as "our chivalrous brigand-allies."

    The last genuine bandit of the Sila was Gaetano Ricca. On account of some trivial misunderstanding with the authorities, this man was compelled in the early eighties to take to the woods, where he lived a wild life (alla campagna; alla macchia) for some three years. A price was set on his head, but his daring and knowledge of the country intimidated every one. I should be sorry to believe in the number of carbineers he is supposed to have killed during that period; no doubt the truth came out during his subsequent trial. On one occasion he was surrounded, and while the officer in command of his pursuers, who had taken refuge behind a tree, ordered him to yield, Ricca waited patiently till the point of his enemy's foot became visible, when he pierced his ankle-bone with his last bullet and escaped. He afterwards surrendered and was imprisoned for twenty years or so; then returned to the Sila, where up to a short time ago he was enjoying a green old age in his home at Parenti.



Longobucco
LongobuccoLongobucco



Wälder der Sila
Wälder der SilaWälder der Sila



Sila
SilaSila



tote Schlange auf der Straße
tote Schlange auf der Straßetote Schlange auf der Straße




Tag 8: San Giorgio Albanese - Vaccarizzo Albanese - San Cosmo Albanese - Macchia Albanese - San Demetrio Corone - Acri - Corigliano Calabro; 160 km

Ausflug in einige von zugewanderten Albanern gegründete Dörfer. Die alte Dame meiner Stammbar, in der ich bei jeder Rückkehr am Abend eine kurze Erfrischung trinke, ist ganz begeistert, als ich ihr von meinem Tagesprogramm erzähle, hat sie selbst doch albanische Vorfahren.


San Giorgio Albanese
San Giorgio AlbaneseSan Giorgio Albanese



San Giorgio Albanese
San Giorgio AlbaneseSan Giorgio Albanese



buntes Kircheninnere buntes Kircheninnere
buntes Kircheninnerebuntes Kircheninnere buntes Kircheninnerebuntes Kircheninnere




    Six Albanian settlements lie on these northern slopes of the Sila - San Giorgio, Vaccarizza, San Cosimo, Macchia, San Demetrio Corone, and Santa Sofia d' Epiro. San Demetrio is the largest of them, and thither, after an undisturbed night's rest at the house of my kind host - the last, I fear, for many days to come - drove in the sunlit hours of next morning. Along the road one can see how thoroughly the Albanians have done their work; the land is all under cultivation, save for a dark belt of trees overhead, to remind one of what once it was. Perhaps they have eradicated the forest over-zealously, for I observe in San Demetrio that the best drinking water has now to be fetched from a spring at a considerable distance from the village; it is unlikely that this should have been the original condition of affairs; deforestation has probably diminished the water-supply.

    These non-Italian villages date from the centuries that followed the death of Scanderbeg, when the Grand Signior consolidated his power. The refugees arrived in flocks from over the sea, and were granted tracts of wild land whereon to settle—some of them on this incline of the Sila, which was accordingly called "Greek" Sila, the native confusing these foreigners with the Byzantines whose dwellings, as regards Calabria, are now almost exclusively confined to the distant region of Aspromonte. Colonies of Albanians are scattered all over South Italy, chiefly in Apulia, Calabria, Basilicata, and Sicily; a few are in the north and centre—there is one on the Po, for instance, now reduced to 200 inhabitants; most of these latter have become absorbed into the surrounding Italian element.



Im Tal des Raganello
Im Tal des RaganelloIm Tal des Raganello



Richtung Castrovillari
Richtung CastrovillariRichtung Castrovillari




Tag 9: Sibari - Frascineto - Castrovillari - Morano Calabro - Colle del Dragone (1606 m) - Colle d'Impiso (1573 m) - Varco - Terranova di Pollino - San Paolo Albanese - Alessandria del Carretto - Pietra San Angelo - San Lorenzo Bellizzi - Cerchiara di Calabria - Sibari; 235 km

Ein herrlicher Ausflug in den Pollino-Nationalpark mit einer Runde um den Monte Pollino herum. Der größte Nationalpark Italiens bietet spektakuläre Landschaften wie uralte und seltene Baumbestände, Höhlen und Grotten, durch Erosion entstandene Schluchten und natürlich einsame, kleine, kurvenreiche Sträßchen. Diese sind meist asphaltiert und in akzeptablem Zustand. Um nicht die Orientierung zu verlieren, benutze ich die Landkarte "Carta Escursionistica del Pollino Lucano" im Maßstab 1:50.000.


bei Castrovillari
bei Castrovillaribei Castrovillari



Blick auf die Bergkette des Pollino
Blick auf die Bergkette des PollinoBlick auf die Bergkette des Pollino



Morano Calabro
Morano CalabroMorano Calabro




Schon die Anfahrt Richtung Morano stimmt mich auf den Nationalpark ein: Der Verkehr wird immer weniger, die Landschaft hügeliger und dann bergiger. Die Lage von Morano den Hügel hoch ist spektakulär, allerdings trinke ich dort den schlechtesten Cappuccino bisher in Italien. Das ist schnell vergessen, denn bald geht es über mehrere Pässe hoch ins Kernland des Pollino. Alle paar Minuten kalte ich an, genieße die Aussicht, die Ruhe, die Natur. Es ist einfach traumhaft, dort zu cruisen. Zwischen Varco und Terranova di Pollino geht es stetig links und rechts, auf und ab, und ich bedauere eine Gruppe von Fahrradtourenfahrern, die ganz schön zu kämpfen haben. Ansonsten ist kaum jemand unterwegs, ab und zu eine Gruppe Bauern, die auch gerne helfen, wenn man mal nicht weiter weiß. Dann wird man auch gleich auf ein Glässchen eingeladen - alles verläuft hier gemächlicher und etwas stressloser als bei uns.


Blick ins Tal Richtung Morano Calabro
Blick ins Tal Richtung Morano CalabroBlick ins Tal Richtung Morano Calabro



am Colle del Dragone
am Colle del Dragoneam Colle del Dragone



Blick zum Monte Pollino
Blick zum Monte PollinoBlick zum Monte Pollino




Beim nächsten Boxenstopp in Alessandria del Carretto kommt allmählich die ganze Dorfgemeinschaft zusammen (viele sind es dort am Tag sowieso nicht), um den Deutschen neugierig zu mustern und zu befragen. Viel verstehe ich aufgrund des lokalen Dialekts leider nicht. Hinter dem Ort hört dann zuerst der Asphalt auf, anschließend wird aus dem Waldweg kurzzeitig eine üble Piste am Berghang entlang, die auch noch von einer Herde Rinder versperrt wird. Kurz überlege ich umzukehren, aber jetzt, so kurz vor dem Ende der Umrundung des Pollinos? Also ganz langsam weiter, im Schritttempo mogele ich mich an den Rindern vorbei, diese bleiben auch ruhig und schupsen mich nicht den Abhang hinunter, und auch die anschließende Strecke (ein bis zwei Kilometer - Länge kann ich nicht genau sagen, da ich vor lauter Aufregung und Anspannung vergessen habe, auf den Kilometerstand zu schauen) schaffe ich mit meinem "Trail-Burgman" auch irgendwie. Tiefes Aufatmen, als der Asphalt wieder beginnt - Fahrer und Roller scheinen dieses Abenteuer gut überstanden zu haben.

Anschließend besuche ich noch Orte, die in der Region touristisch vermarktet werden. Auf mich machen sie aber keinen großartigen Eindruck, nicht weil sie etwa uninteressant wären, sondern weil ich erschöpft bin und bis oben hin voll von neuen Eindrücken. Es passt an diesem Tag einfach nichts mehr hinein in mich.

Ein tiefes Glücksgefühl durchströmt mich, als ich am Abend auf dem Campingplatz ankomme - dies war einer dieser Tage, die man sein ganzes Leben nicht mehr vergessen wird!


    Morano: Its situation, as you approach from Castrovillari, is striking. The white houses stream in a cataract down one side of a steep conical hill that dominates the landscape—on the summit sits the inevitable castle, blue sky peering through its battered windows. But the interior is not at all in keeping with this imposing aspect. Morano, so far as I was able to explore it, is a labyrinth of sombre, tortuous and fetid alleys, whexe black pigs wallow amid heaps 'of miscellaneous and malodorous filth—in short, the town exemplifies that particular idea of civic liberty which consists in everybody being free to throw their own private refuse into the public street and leave it there, from generation to generation.

    The path ascends now through a long and wearisome limestone gap called Valle di Gaudolino, only the last half-hour of the march being shaded by trees. It was in this gully that an accidental encounter took place between a detachment of French soldiers and part of the band of the celebrated brigand Scarolla, whom they had been pursuing for months all over the country. The brigands were sleeping when the others fell upon them, killing numbers and carrying off a large booty; so rich it was, that the soldiers were seen playing at "petis palets"—whatever that may be—with quadruples of Spain - whatever that may be. Scarolla escaped wounded, but was afterwards handed over to justice, for a consideration of a thousand ducats, by some shepherds with whom he had taken refuge; and duly hanged. His band consisted of four thousand ruffians; it was one of several that infested south Italy. This gives some idea of the magnitude of the evil.

    Viewed from below, this Pollino is shaped like a pyramid, and promises rather a steep climb over bare limestone; but the ascent is quite easy. No trees grow on the pyramid. The rock is covered with a profusion of forget-me-nots and gay pansies; some mez-ereon and a few dwarfed junipers—earthward-creeping—nearly reach the summit. When I passed here on a former trip, on the 6th of June, this peak was shrouded in snow. There are some patches of snow even now, one of them descending in glacier fashion down the slope on the other side; they call it "eternal," but I question whether it will survive the heats of autumn. Beyond a brace of red-legged partridges, I saw no birds whatever. This group of Pollino, descending its seven thousand feet in a precipitous flight of terraces to the plain of Sibari, is an imposing finale to the Apennines that have run hitherward, without a break, from Genoa and Bologna. Westward of this spot there are mountains galore; but no more Apennines; no more limestone precipices.



Pollino Nationalpark
Pollino NationalparkPollino Nationalpark



Terranova di Pollino
Terranova di PollinoTerranova di Pollino



Blick aufs Meer Richtung Sibari
Blick aufs Meer Richtung SibariBlick aufs Meer Richtung Sibari




Tag 10: Strandtag

Ein erstes Fazit meines bisherigen Aufenthalts in Kalabrien: viele Dörfer auf Hügeln im Landesinneren aufgrund der Malaria sowie der leidvollen Geschichte (Jahrhunderte lang umkämpft, erobert, geplündert u.a. von Römern, Arabern, Griechen, Normannen, Briganten usw.); die Entfernung von einem Dorf zum anderen unterschätzt man meist wegen der kurvenreichen Verbindungsstraßen, die allgemein in einem recht ordentlichen Zustand sind; die Bewohner sind zuerst ein wenig reserviert bzw. wirken unnahbar, sind dann aber sehr (gast-)freundlich und neugierig. Oft wirken die Dörfer sehr verlassen, im Hinterland ist man oft kilometerweit alleine unterwegs. Besonders gut gefällt mir die Kombination "Berge - Meer": vormittags schnell hoch in die Berge, Kurven, Landschaft und Natur genießen, nachmittags, wenn's richtig heiß wird, zurück an's saubere Meer und baden - perfekt!


    These Calabrian conditions are only part of a general change of climate which seems to have taken place all over Italy; a change to which Columella refers when, quoting Saserna, he says that formerly the vine and olive could not prosper "by reason of the severe winter" in certain places where they have since become abundant, "thanks to a milder temperature."



Tempel der Hera Lacinia
Tempel der Hera LaciniaTempel der Hera Lacinia



Le Castella
Le CastellaLe Castella




Tag 11: Ciro Marina - Crotone - Capo Colonna - Isola di Capo Rizzuto - Capo Rizzuto - Le Castella - Botricello - Soverato - Caulonia Marina; 275 km

Über Crotone und den nahe gelegenen griechischen Tempel der Hera Lacinia mache ich mich auf den Weg Richtung Süden. Capo Rizzuto und das aragonesische Kastell Le Castella wirken auf mich sehr touristisch und konträr zu meinen Eindrücken der letzten Tage. Also photographieren, abhaken, weiterfahren. Und zwar immer schön der Küste entlang bei warmen Temperaturen und meist guten Straßen bis nach Caulonia Marina und seinem Campingplatz "Calypso". In der ersten bzw. zweiten Reihe direkt am Meer bekomme ich keinen Platz mehr - viele Campingplätze gibt es in dieser Region sowieso nicht, und Anfang Juni sind auch nur wenige geöffnet, dennoch haben inzwischen immer mehr Senioren Kalabrien als Langzeitziel oder Überwinterungsmöglichkeit entdeckt. Macht nichts, unter den schattigen Bäumen ist es auch nicht schlecht. Schnell baue ich mein Zelt auf, eine erste Erfrischung im Meer, dann komme ich mit einigen Langzeitcampern ins Gespräch - und werde prompt zum Abendessen in das ausgezeichnete Restaurant des Campingplatzes eingeladen. (Kosten für die Übernachtung EUR 10,00)


    The site of the original Caulonia is quite uncertain. Excavations now going on at Monasterace, some ten miles further on, may decide that the town lay there. Some are in favour of the miserable village of Foca, near at hand; or of other sites. The name of Foca seems to point, rather, to a settlement of the regenerator Nicephorus Phocas. Be that as it may, the present town of Caulonia used to be called Castelvetere, and it appropriated the Greek name in accordance with a custom which has been largely followed hereabouts.



Blick vom Campingplatz Richtung Norden
Blick vom Campingplatz Richtung NordenBlick vom Campingplatz Richtung Norden



Standplätze des Campingplatz Calypso direkt am Meer
Standplätze des Campingplatz Calypso direkt am MeerStandplätze des Campingplatz Calypso direkt am Meer



Blick vom Campingplatz Richtung Süden
Blick vom Campingplatz Richtung SüdenBlick vom Campingplatz Richtung Süden




Tag 12: Strandtag

Ich inspiziere zu Fuß die nähere Umgebung des Campingplatzes und den Ort Caulonia Marina. Dort finde ich auch meine Frühstücks-Stammbar der nächsten Tage ("Moonlight Bar") - so leckere "Cornetti a crema" habe ich selten gegessen.


    One might say much in praise of Calabrian wine. The land is full of pleasant surprises for the cenophilist, and one of these days I hope to embody my experiences in the publication of a wine-chart of the province with descriptive text running alongside - the purchasers of which, if few, will certainly be of the right kind. The good Dr. Barth - all praise to him! - has already done something of the kind for certain parts of Italy, but does not so much as mention Calabria. And yet here nearly every village has its own type of wine and every self-respecting family its own peculiar method of preparation, little known though they be outside the place of production, on account of the octroi laws which strangle internal trade and remove all stimulus to manufacture a good article for export. This wine of Ciro, for instance, is purest nectar, and so is that which grows still nearer at hand in the classical vale of the Neto and was praised, long ago, by old Pliny; and so are at least two dozen more. For even as Gregorovius says that the smallest Italian community possesses its duly informed antiquarian, if you can but put your hand upon him, so, I may be allowed to add, every little place hereabouts can boast of at least one individual who will give you good wine, provided—provided you go properly to work to find him.



Grotteria
GrotteriaGrotteria



Stausee in der südlichen Sila
Stausee in der südlichen SilaStausee in der südlichen Sila



Impressionen
ImpressionenImpressionen




Tag 13: Marina di Gioiosa Ionica - Gioiosa Ionica - Grotteria - Passo Croce Ferrata (1110 m) - Fabrizia - Serra San Bruno - Spadola - Santa Caterina dello Ionico - Guardavalle - Stilo - Camini - Riace - Stignano - Caulonia Marina; 175 km

Ein Strandtag ist ja schön und gut, aber heute zieht es mich wieder in die Berge. Auf der Karte habe ich mir landschaftlich schöne (Neben-) Strecken ausgesucht, und ich werde nicht enttäuscht. Besonders gefällt mir die Strecke ab Grotteria hoch zum Passo Croce Ferrata. Serra San Bruno ist berühmt durch seine Kartause Santo Stefano aus dem 11. Jahrhundert. Zurück ans Meer fahre ich über Stilo mit seiner schönen byzantinischen Kirche sowie Riace, berühmt durch seine zwei griechischen Bronzestatuen und in den letzten Jahren durch die Initiative seines Bürgermeisters, die Ab- und Auswanderung Einheimischer durch den Zuzug von Flüchtlingen zu kompensieren.


Impressionen
ImpressionenImpressionen



Impressionen
ImpressionenImpressionen



Stilo
StiloStilo




    You may obtain a fairly good view of Caulonia from the southeast; or again, from the neighbouring hillock of San Vito. The town lies some 300 metres above sea-level on a platform commanding the valleys of the Amusa and Alaro. This position, which was clearly chosen for its strategic value, unfortunately does not allow it to expand, and so the inhabitants are deprived of that public garden which they amply deserve. At the highest point lies a celebrated old castle wherein, according to tradition, Campanella was imprisoned for a while. In the days of Pacicchelli, it was a fine place—"magnifico nelle regole di Fortezza, con cinque baloardi provveduti di cannoni di bronzo, ed una riccha Armeria, degna habitazione di don Carlo Maria Carrafa, Prencipe della Roccella, che se ne intitola Marchese." Mingled with the stones of its old walls they have recently found skeletons—victims, possibly, of the same macabre superstition to which the blood-drenched masonry of the Tower of London bears witness. Here, too, have been unearthed terra-cotta lamps and other antiquities. What are we to surmise from this? That it was a Roman foundation? Or that the malaria in older times forced Caulonia to wander towards healthier inland heights after the example of Sybaris-Terranova, and that the Romans continued to occupy this same site? Or, assuming Castelvetere to date only from mediaeval times, that these ancient relics found their way into it accidentally? The low-lying district of Foca, at this day, is certainly very malarious, whereas the death-rate up here is only about 12 per 1000.

    Three more hours or thereabouts will take you to Serra San Bruno along the backbone of southern Italy, through cultivated lands and pasture and lonely stretches of bracken, once covered by woodlands.

    It may well be that the townlet has grown up around, or rather near, the far-famed Carthusian monastery. I know nothing of its history save that it has the reputation of being one of the most bigoted places in Calabria—a fact of which the sagacious General Manhes availed himself when he devised his original and effective plan of chastising the inhabitants for a piece of atrocious conduct on their part. He caused all the local priests to be arrested and imprisoned; the churches were closed, and the town placed under what might be called an interdict. The natives took it quietly at first, but soon the terror of the situation dawned upon them. No religious marriages, no baptisms, no funerals—the comforts of heaven refused to living and dead alike. . . . The strain grew intolerable and, in a panic of remorse, the populace hunted down their own brigand-relations and handed them over to Manhes, who duly executed them, one and all. Then the interdict was taken off and the priests set at liberty; and a certain writer tells us that the people were so charmed with the General's humane and businesslike methods that they forthwith christened him "Saint Manhes," a name which, he avers, has clung to him ever since.



Burgruine
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Impressionen Impressionen
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Tag 14: Siderno - Locri - Bovalino - San Luca - Monte Aspromonte - San Luca - Bovalino Marina - Locri - Gerace - Locri - Caulonia Marina; 165 km

Heutiges Ziel ist das berüchtige Bergmassiv Aspromonte, eine einsame Bergregion ganz im Süden Kalabriens, sowie das mitten darin liegende Kloster Polsi. Auf dem Weg dorthin muss ich durch den Ort San Luca, das nach den Ereignissen im Vorjahr in Duisburg weltweit in die Schlagzeilen gekommen war. Ein wenig Herzklopfen habe ich schon, als ich mich dem Ort nähere. Ich hatte ja in den letzten Tagen mit mehreren Leuten über die Problematik "Mafia" bzw. deren Ausprägung in Kalabrien, die "'Ndrangheta", gesprochen. Alle hatten mir versichert, dass ein einfacher Tourist wie ich nichts zu befürchten hätte. Aber hält sich da auch jeder der 'Ndrangheta daran? Ob nun Einbildung oder nicht, die Atmosphäre in San Luca wirkt auf mich anders als in den bisher besuchten Orten abweisend, überall halbfertige Bauten, an jeder Ecke Gruppen von Jugendlichen, die einen mustern. Möglichst schnell fahre ich durch den Ort, finde aber nicht die Ausfahrt hoch in den Aspromonte. Gezwungenermaßen frage ich einen älteren Herrn nach dem Weg, und endlich geht es steil hoch in die Berge. Dann durchfährt es mich: Weiß jetzt jeder in diesem berüchtigten Ort, dass ein deutscher Rollerfahrer alleine unterwegs ist in die Einsamkeit des Aspromonte? Irgendwie ganz schön blöd von mir, denke ich.


Monte Aspromonte
Monte AspromonteMonte Aspromonte



Blick Richtung Tyrrhenisches Meer
Blick Richtung Tyrrhenisches MeerBlick Richtung Tyrrhenisches Meer



Monte Aspromonte
Monte AspromonteMonte Aspromonte




Dennoch fahre ich weiter hoch in die Berge, habe aber immernoch Herzklopfen. Ich überhole einen kleinen Fiat, die beiden älteren Insassen beäugen mich. Bei der ganzen Aufregung habe ich ganz vergessen, mal einen Blick rundum zu werfen: eine wunderbare, schöne Waldlandschaft, auf beiden Seiten sieht man bis an Meer, an der einen Seite das Jonische, an der anderen Seite das Tyrrhenische Meer. Es kommt aber auch ein Wind auf, und der bringt aus Westen dichte Wolken, die sich erstmal an der Westseite des Aspromonte stauen. Also weiter hoch, die Landschaft wird karger und herber, die Wolken immer dichter, die Sicht immer weniger und es fängt an zu tröpfeln. Je mehr ich Richtung Polsi fahre, desto dichter wird der Regen, gleichzeitig endet die Asphaltstraße und es beginnt ein lehmiger, mit Steinen durchsetzter Feldweg.

Bei trockenen Bedingungen und langsamer Fahrt normalerweise kein Problem für einen Burgman, aber hier oben, alleine, bei immer schlechter werdender Sicht - ich beschließe abzubrechen und zurückzufahren. Das Risiko ist mir einfach zu groß, und der Spass am Fahren wäre nicht da. Ich fahre ein Stück zurück, bis es nicht mehr regnet, und mache eine Pause, genieße die Ruhe und die Landschaft. Da kommt der kleine Fiat angeschnauft und hält an. Okay. das war's jetzt, hoffentlich wollen die nur mein Geld, viel habe ich ja nicht dabei, schießt es mir durch den Kopf. Aber dann frägt der Fahrer ganz freundlich, ob alles in Ordnung sei, erleichtert bejahe ich, und als ich nach dem Zustand des Wegs nach Polsi frage, meinen die beiden, bei diesem Wetter mit dem Burgman wäre das keine gute Idee.

Was so die Phantasie alles mit einem anstellen kann...

Natürlich muss ich auf dem Rückweg wieder durch San Luca, aber das klappt problemlos. Niemand interessiert sich für mich. Auf der weiteren Rückfahrt, bei der mir starker Seitenwind das Leben schwer macht, besuche ich dann noch Gerace mit seiner von den Normannen erbauten Kathedrale.


Impressionen
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Impressionen
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Blick Richtung Ionisches Meer
Blick Richtung Ionisches MeerBlick Richtung Ionisches Meer



Gerace
GeraceGerace




    Aspromonte, the roughest corner of Italy, is no place for misunderstandings; the knife decides promptly who is right or wrong, and only two weeks ago I was warned not to cross the district without a carbineer on either side of me.

    Aspromonte deserves its name. It is an incredibly harsh agglomeration of hill and dale, and the geology of the district, as I learned long ago from my friend Professor Cortese, reveals a perfect chaos of rocks of every age, torn into gullies by earthquakes and other cataclysms of the past—at one place, near Scido, is an old stream of lava. Once the higher ground, the nucleus of the group, is left behind, the wanderer finds himself lost in a maze of contorted ravines, winding about without any apparent system of watershed. Does the liquid flow north or south? Who can tell! The track crawls in and out of valleys, mounts upwards to heights of sun-scorched bracken and cistus, descends once more into dewy glades hemmed in by precipices and overhung by drooping fernery. It crosses streams of crystal clearness, rises afresh in endless gyrations under the pines only to vanish, yet again, into the twilight of deeper abysses, where it skirts the rivulet along precarious ledges, until some new obstruction blocks the way—so it writhes about for long, long hours. . . .

    Only to those who know nothing of local conditions will it seem strange to say that Italian law is one of the factors that contribute to the disintegration of family life throughout the country, and to the production of creatures like Musolino. There are few villages which do not contain some notorious assassins who have escaped punishment under sentimental pleas, and now terrorize the neighbourhood. This is one of the evils which derange patriarchalism; the decent-minded living in fear of their lives, the others with a conspicuous example before their eyes of the advantages of evil-doing. And another is that the innocent often suffer, country-bred lads being locked up for months and years in prison on the flimsiest pretexts—often on the mere word of some malevolent local policeman—among hardened habitual offenders. If they survive the treatment, which is not always the case, they return home completely demoralized and a source of infection to others.

    No south Italian living at this present moment, be he of what social class you please—be he of the gentlest blood or most refined culture—is a priori on the side of the policeman. No; not a priori. The abuses of the executive are too terrific to warrant such an attitude. Has not the entire police force of Naples, up to its very head, been lately proved to be in the pay of the camorra; to say nothing of its connection with what Messrs. King and Okey euphemistically call "the unseen hand at Rome" - a hand which is held out for blackmail, and not vainly, from the highest ministerial benches? Under such conditions, the populace becomes profoundly distrustful of the powers that be, and such distrust breeds bad citizens. But so things will remain, until the bag-and-baggage policy is applied to the whole code of criminal procedure, and to a good half of its present administrators.



Kathedrale in Gerace
Kathedrale in GeraceKathedrale in Gerace



Gerace
GeraceGerace



Gerace
GeraceGerace




Tag 15: Caulonia - Popelli - San Nicola - Passo Croce Ferrata (1110 m) - San Nicola - Convento Sant'Ilario - Caulonia Marina; 115 km

Ohne Herzklopfen wie gestern möchte ich heute das Hinterland erkunden. Auf einer anderen Strecke fahre ich nochmals hoch zum Passo Croce Ferrata, anschließend lasse ich mich einfach treiben, es geht kurvenreich hoch auf die Hügel, wieder runter ins Tal, kleinen Flüssen entlang, wieder hoch zum nächsten Hügel usw. Kaum Verkehr, der Straßenzustand ist oft ziemlich schlecht, Split oder Sand in den Kurven mahnen zu vorsichtiger Fahrweise, aber so kann ich die Landschaft umso besser auf mich einwirken lassen.


Orangenbaum
OrangenbaumOrangenbaum



Impressionen
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Convento Sant'Ilario
Convento Sant'IlarioConvento Sant'Ilario




Irgendwann fahre ich auf einer Piste einfach einen Fluß entlang und komme zu einer idyllisch gelegenen Einsiedelei, dem Convento Sant'Ilario, ein ordentlicher Bau, der aber verlassen scheint. Ich mache kurz Pause und will gerade zurückfahren (weiter geht es nicht mehr), als ein Kleinwagen die Piste hochkommt und neben mir hält. Es ist der Einsiedler, der, wie ich später erfahre, aus Frankreich kommt und dort schon einige Zeit lebt. Gerne darf ich die kleine Kirche besichtigen. Die Stimmung dort ist eigenartig, ich bin irgendwie gefangen davon und verweile eine lange Zeit in dem kleinen, schlichten Raum. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf, die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Reise, aber auch Gedanken zum "Großen und Ganzen", und es scheint so, als gelänge es mir, diese Gedanken zu ordnen, in einen größeren Kontext einzuordnen und sie dadurch auch zu verarbeiten. Gelöst und befreit (ohne richtig zu wissen von was eigentlich) mache ich mich auf den Weg zum Roller, werde aber von dem Eremiten zu einem Kaffee eingeladen. Es zeigt mir die kargen, einfachen, oft kleinen Räume des Anwesens, in denen früher die Mönche lebten. Kein fließendes Wasser, keine Zentralheizung. In der ganz einfach eingerichteten Küche mit einem Holzofen - die einzige Wärmequelle im Winter - setzen wir uns, und er erzählt mir seine Geschichte und beschreibt sein Leben hier in der Einsamkeit, seine Arbeit im Garten der Einsiedelei. Beneidenswert, dass jemand so leben kann und so täglich die Möglichkeit hat, in der Ruhe auf seine Gedanken zu hören und sie zu verarbeiten.

Zweifelsohne ein Höhepunkt und ein würdiger Abschluss dieser Tour!


Kirche des Convento Sant'Ilario Kirche des Convento Sant'Ilario
Kirche des Convento Sant'IlarioKirche des Convento Sant'Ilario Kirche des Convento Sant'IlarioKirche des Convento Sant'Ilario




    There is a note of joyous vigour in this landscape. The mule-track winds in and out among the heights, through flowery meadows grazed by cattle and full of buzzing insects and butterflies, and along hill-sides cunningly irrigated; it climbs up to heathery summits and down again through glades of chestnut and ilex with mossy trunks, whose shadow fosters strange sensations of chill and gloom. Then out again, into the sunshine of waving corn and poppies.



Impressionen
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Impressionen
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Impressionen
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Tag 16: Siderno - Africo - Melito di Porto Salvo - Umfahrung Reggio di Calabria - Villa San Giovanni; 180 km

So langsam nähert sich diese schöne Reise ihrem Ende. Heute Abend muss ich in der Nähe von Reggio di Calabria in der Autoverladestation für den italienischen Autoreisezug Richtung Norden nach Bologna sein, also tuckere ich gemütlich Richtung Südspitze Kalabriens, besuche den Bed & Breakfast Blu Scogliera in herrlicher Lage beim Capo Bruzzano direkt am Meer (ein Tipp des Eremiten gestern und eine Alternative für einen Urlaub ohne Zelt) und bin über Müllberge mitten im Zentrum von Melito di Porto Salvo schockiert. Alle Campingplätze, die ich zufällig sehe und für künftige Besuche checke, sagen mir nicht zu: entweder noch geschlossen oder in ein Touristenvillage ohne Zeltmöglichkeit umgewandelt oder fast nur Dauercamper oder einfach nicht einladend. Mit jedem Kilometer Richtung Süden wird die Landschaft karger, die grünen Flecken werden immer weniger, es dominieren nun Braun- und Ockertöne.

Überpünktlich erreiche ich Villa San Giovanni, kaufe noch ein paar Vorräte für die Nachtfahrt und gebe dann den Roller ab. Das Ganze geht süditalienisch gelassen ab, irgendwo finden sich dann auch ein paar Gurte zum Festmachen des Rollers, und Zeit für ein paar Scherze und Witze ist natürlich auch immer. Der Transport meiner Habseligkeiten einige 100 Meter bis zum eigentlichen Bahnhof geht dann nur in zwei Etappen und ist sehr schweißtreibend, da es keine Gepäckwägelchen gibt.

Angekommen am Bahnhof schaue ich natürlich erstmal, ordentlicher Deutscher wie ich halt so bin, nach dem Wagenstandsanzeiger. Mein Wagen natürlich ganz vorne, außerhalb des überdachten Bahnhofbereichs. Also nachmals das ganze Gerödel ein paar Meter schleppen und dann endlich ausruhen. Das erste Bier läuft runter wie nichts, langsam vergeht die Zeit, es wird Abend, es wird dunkel. Immer noch stehe ich alleine auf weiter Flur, nur in der Bahnhofsmitte kann ich ein paar Personen sehen. Scheint ja nicht viel los zu sein. Etwa eine halbe Stunde vor planmäßiger Abfahrt sehe ich eine Lok mit zwei Waggons von der anderen Seite auf "meinem" Gleis einfahren und in der Bahnhofsmitte halten. Ist das mein Zug? Neugierig trabe ich nach hinten, ja, das ist mein Zug, wenigstens ein Teil davon, nämlich die Kurswägen, die hier eingesetzt werden. Na super, dann hätte ich mir ja einen Teil der Schlepperei und die dumme Warterei alleine ganz vorne am Bahnsteig sparen können. Muss ich jetzt das Gepäck zurücktragen? Nein, versichert man mir, der Zug würde nochmals halten. Also trabe ich wieder an meine "angestammte" Position und harre der Dinge, die da kommen werden. Und wirklich, nach einiger Zeit setzt sich der Zug in Bewegung - und fährt ohne Stopp an mir vorbei in die Dunkelheit. Saublöd stehe ich da, ich bin so überrascht, dass ich gar nicht reagieren kann.

Bevor ich meine Gedanken ordnen kann und mir überlege, was ich jetzt tun kann/soll, kommt aber wieder Bewegung in die Dunkelheit, der Zug, der wohl umrangieren musste, kommt zurück, und endlich kann auch ich - als letzter Passagier - in den Zug einsteigen. Schnell finde ich mein Sechser-Liegewagenabteil, ein bißchen frisch machen, und dann bin ich auch schon auf dem Rückweg Richtung Heimat.


Kosten für den Autoreisezug von Villa San Giovanni nach Bologna: EUR 58,60 für den Liegewagen zweite Klasse, EUR 120,00 für den Burgman. Gebucht bei einem Südtiroler Reisebüro in Bozen. Update Juli 2014: Anscheinend hat trenitalia bis auf Weiteres den Betrieb der inneritalienischen Autoreisezüge eingestellt.


Blick nach Sizilien
Blick nach SizilienBlick nach Sizilien




Tag 17: Bologna - San Giovanni in Persiceto - Crevalcore - Camposanto - Mirandola - Ostiglia - Umfahrung Verona - Bozen - Brennerpass (1374 m) - Ellbögen - Patsch - Inntal; 550 km

Mit einer Stunde Verspätung kommen wir am Vormittag in Bologna an. Wieder muss ich mein Gepäck mühsam in die Nähe der Autoverladung schleppen, aber dann wird mein Burgman schon hergefahren, und ich komme zügig aus Bologna heraus. Der Rest der Heimfahrt verläuft ereignislos.


    Calabria is not a land to traverse alone. It is too wistful and stricken; too deficient in those externals that conduce to comfort. Its charms do not appeal to the eye of romance, and the man who would perambulate Magna Graecia as he does the Alps would soon regret his choice. One needs something of that "human element" which delighted the genteel photographer of Morano - comrades, in short; if only those sages, like old Noia Molisi, who have fallen under the spell of its ancient glories. The joys of Calabria are not to be bought, like those of Switzerland, for gold.



Eine perfekte Tour geht zuende: keine gesundheitlichen Probleme, keine technischen Probleme des Burgman, freundliche Menschen kennengelernt, perfektes Wetter außer bei der Anfahrt am ersten Tag und kurz an einem Tag in Sibari. Es hat alles gepasst, faszinierende und abwechslungsreiche Landschaften, Meer und Berge, wunderbare Strecken, keine gefährliche Situation, eine Fülle von Eindrücken. Und im Gegensatz zum obenstehenden Fazit von Norman Douglas bin ich der Meinung, dass man jetzt sehr wohl auch alleine Kalabrien bereisen kann.




Oktober 2008: Kurztour ins herbstliche Veneto

Im Herbst konnte ich mir noch ein paar Tage freimachen und entschloß mich, die italienische Provinz "Veneto" (Venetien oder Venezien) zu erkunden. Das Wetter war die ersten beiden Tage zwar durchwachsen, aber ich konnte dennoch interessante neue Eindrücke sammeln. Venedig kannte ich schon von früheren Reisen, daher habe ich diesmal die Stadt selbst nicht besucht und daher gibt es dazu auch keine Informationen in meinem Bericht. Bitte entschuldigt auch die schlechte Qualität der Photos; ich hatte nur eine uralte "normale" Kamera zur Verfügung, und auch der Film scheint schon etwas älter gewesen zu sein, die meisten Fotos waren nach der Entwicklung leider unbrauchbar ...



Tag 1: Walchsee - Kössen - Kitzbühel - Felbertauerntunnel - Gailbergsattel (982 m) - Plöckenpaß (1360 m) - Gemona del Friuli - Osoppo - Dignano - San Vito di Tagliamento - Portogruaro - Eraclea - Jesolo - Punta Sabbioni; 420 km

Bei nasskaltem Wetter ging´s los. Die Straßen waren noch feucht vom nächtlichen Regen, aber ich kam dennoch zügig voran. Auf der italienischen Seite des Plöcken wurde es von Meter zu Meter wärmer, und ich konnte mich langsam von mehreren Schichten Kleidung trennen. Ein kurzer Cappuccino-Stopp in Gemona - Orientierungsprobleme in Portogruaro - anschließend kilometerlang von Pappeln gesäumte Alleen - die letzten Kilometer Richtung Punta Sabbioni dann langweilig. Am Abend erreichte ich den Campingplatz Miramare, der als einziger in der Gegend noch geöffnet hatte. Das Einchecken ging schnell, ich bekam einen Stellplatz zugewiesen (was ich eigentlich nicht so gerne habe, aber der Stellplatz war in Ordnung) und Informationsmaterial für Venedig. Ganz leer war der Campingplatz nicht, aber Venedig ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, das hat sich anscheinend rumgesprochen.

Der Campingplatz liegt günstig für einen Besuch Venedigs, etwa 700 m vom Fähranlieger für die Fähren nach Venedig oder zu den Inseln in der Lagune entfernt. Obwohl am Meer liegend, ist Baden direkt am Campingplatz nicht möglich, da dort derzeit (und wohl noch einige Jahre) ein Teil des gigantischen Sperrwerks "MOSE" zum Schutz der Lagune Venedigs gebaut wird. Zum Baden müsst Ihr gut zwei Kilometer nach Süden Richtung Leuchtturm gehen oder besser fahren, da die Strecke immer den Bauzaun entlang derzeit doch ziemlich eintönig ist. Der Strand mit feinem Sand ist aber weitläufig und schön breit.


Tag 2: Jesolo - Caposile - Musile - Fossalta - Maserada - Spresiano - Montebelluna - Il Montello - Nervesa - Cornuda - Valdobbiadene - Follina - Passo di San Boldo (Sant´Ubaldopass, 706 m) - Campedei - Pranolz - Valmorel - Tassei - Belluno - Lago di Santa Croce - Vittorio Veneto - Conegliano - Oderzo - San Dona - Jesolo - Punta Sabbioni; 360 km

Bei bedecktem Himmel ging´s immer in Nähe des Flusses Piave Richtung Norden. Die Anfahrt zog sich doch ziemlich in die Länge, ich mußte ja auch unbedingt die kleineren Straßen nehmen und verfuhr mich auch dementsprechend oft. Nahe Montebelluna dann die erste Erhebung: die Hügelkette "Il Montello", mit dichtem Wald bedeckt und mit einigen netten Kurven. Überall Hinweise zu Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs, die gesamte Gegend war ja in dieser Zeit heftig umkämpft zwischen den Österreichern und Italienern. Das Kriegerdenkmal in Nervesa hatte leider geschlossen, so fuhr ich gleich weiter zum nächsten Höhepunkt. Über Valdobbiadene (berühmt für seinen Prosecco) Richtung Follina (dort einige Stellen mit wunderschönem Blick auf die Piave und Il Montello) und anschließend hoch zum Passo di San Boldo oder Sant´Ubaldopass. Die Besonderheit dieses Passes sind mehrere Kehrtunnels, durch die sich die wenig frequentierte Straße in die Höhe schraubt. Leider sind die Fotos dieses Tages alle nichts geworden, daher folgender Link für einen Eindruck dieses einzigartigen Passes: http://www.tourenland.de/paesse/boldo.htm

Kurz nach der Passhöhe bin ich dann rechts abgebogen und auf einsamen schmalen Sträßchen (z.T. geschottert) Richtung Nevegal getuckert, schön langsam und mit häufigen Stopps, um die Ruhe und Stille dieser Landschaft zu genießen. Nach Tassei war die Straße zum Nevegal leider gesperrt, daher fuhr ich runter ins Tal nach Belluno und von dort auf der 51 über den Lago di Santa Croce (von dem sah ich leider nicht viel, da es inzwischen neblig geworden war und nieselte) und Vittorio Veneto (mit Zwangspause wegen Staus) zurück nach Punta Sabbioni.


Lio Piccolo Lagune
Lio PiccoloLio PiccoloLaguneIn der Lagune




Tag 3: Tre Porti und Lio Piccolo; 60 km

Heute hatte ich keine Lust auf lange Rollerfahrten und fuhr daher zuerst nur "um die Ecke" nach Tre Porti, um dort erstmal gemütlich Italienisch zu frühstücken (Café oder Cappuccino und Brioche oder Cornetto) und Leute zu beobachten. Da war dann der Vormittag schon fast vorüber. Und gemütlich ging´s auch weiter: weiter in die Lagune hinein nach Lio Piccolo (dort kann man den Kirchturm besichtigen mit wunderschönem Blick auf Lagune und die Inseln) und noch ein Stück weiter bis zum Ende der Straße. Ab und zu führen Wege die Dämme entlang noch weiter hinein in die Lagune und in eine ganz andere Welt als der Trubel Venedigs. Mal ein Fischer mit seinem Boot, hier ein Segler auf spiegelglattem Wasser, das sich in der Ferne mit dem Dunst vermischt und so ein Gefühl der Weite erzeugt.



Region Monte Grappa Schützengraben
Region Monte GrappaRegion Monte GrappaSchützengrabenSchützengraben



Tag 4: Jesolo - Caposile - Musile - Fossalta - Maserada - Via Postumia - Castelfranca - Cornuda - Pederobba - Monte Tomba - Monte Pallon (1305 m) - Cima della Mandria (1482 m) - Monte Grappa (1745 m) - Feltre - Cornuda - Montebelluna - Treviso - Meolo - Jesolo - Punta Sabbioni; 330 km

Heute riefen wieder die Berge, und so machte ich mich auf die doch etwas beschwerliche Anfahrt über Jesolo Richtung Norden. Bei Maserada hatte auf der Karte eine schnurgerade Straße mein Interesse geweckt: die "Via Postumia", eine alte Römerstraße. Leider sah die Wirklichkeit nicht sehr römisch aus. Zwar führt die Straße rund 30 Kilometer fast schnurgerade nach Westen, ist aber gut ausgebaut und meist stark befahren. Unterführungen und Umfahrungen von Orten sorgten zudem dafür, dass kein richtiges "Cruiser-Feeling" aufkam.

Macht nichts, der eigentliche Höhepunkt des heutigen Tages kam ja noch: die Bergkette westlich von Pederobba mit dem Monte Grappa nördlich von Bassano. Ich nahm den Weg ab Pederobba hoch zum Monte Tomba und über Monte Pallon und Cima della Mandria weiter zum Monte Grappa. Als erste Erhebung nach der Ebene Venedigs bietet sich dort bei klarem Wetter (das ist allerdings eher selten) ein grandioser Blick Richtung Süden auf die Ebene bis hin nach Venedig und zum Meer.

Da auch diese Gegend im 1. Weltkrieg heiß umkämpft war, sieht man an jeder Ecke Hinweise auf diese Zeit und Gedenkstätten oder Denkmäler. Auch in der Landschaft sind noch häufig Reste des Kriegs und der Kämpfe sichtbar, so etwa alte Schützengräben. Wer mit offenen Augen durch das Gelände fährt oder geht, kann z.B. Berghänge erkennen, die mit Granatkratern übersät sind, oder in die Felsen gehauene Versorgungswege. Wenn man sich mit der Geschichte dieser Zeit beschäftigt, sieht man schnell, wie sinnlos und menschenverachtend dieser Krieg auch in dieser Region war.

Bei Interesse an weiteren Informationen zu diesem Thema: Ein Wikipedia-Artikel über den Monte Grappa findet sich hier (mit weiterführenden Links zur Italienfront im 1. Weltkrieg). Die Schlacht von Vittorio Veneto ist bei Wikipedia hier beschrieben (ebenfalls mit weiterführenden Links). Fotos von Bunkeranlagen und Festungen vom Ersten Weltkrieg in den Alpen finden sich auf dieser Seite.

Nachdenklich verließ ich den Monte Grappa Richtung Feltre und fuhr von dort in einem Bogen über Cornuda und Treviso zurück nach Punta Sabbioni. Ich musste während der gesamten Rückfahrt daran denken, welches Glück wir haben, nicht direkt von einem Krieg betroffen zu leben und solche schöne Gegenden auf dem Rücken eines Rollers bereisen zu dürfen.


Tag 5: weiterer Besuch der Lagune und Faulenzen am Strand

Am Morgen Nebel, der aber schnell verschwindet. Spätes Frühstück in meiner "Stammbar" in Tre Porti, anschließend fahre ich nochmals Richtung Lio Piccolo und weiter in die Lagune. Als es nicht mehr weitergeht, stelle ich den Roller ab und wandere auf den Deichen immer tiefer in die Lagune. Ich genieße die Stille (ab und zu gestört von startenden Flugzeugen des nahen Flughafen Venedigs) und beobachte Kraniche, Reiher und andere Vögel.

Am Nachmittag lege ich mich an den Strand am Leuchtturm von Punta Sabbioni und tanke Wärme für die morgige Heimfahrt. Vorher gönne ich mir aber noch einmal ein ausgiebiges Abendessen in der Trattoria "Belvedere", gut hundert Meter nördlich des Fähranliegers in Punta Sabbioni bzw. eigentlich schon in Lio Grando. Dort gibt es leckere Spezialitäten aus der Region, die den etwas längeren Fußmarsch vom Campingplatz her meiner Meinung nach allemal wert sind. Die beiden anderen Restaurants in der Nähe des Miramare (das eine einige Meter südlich Richtung Strand, das andere wenige Meter nördlich Richtung Fähranlieger) fand ich in Ordnung, boten aber meines Erachtens nur italienische Durchschnittsküche.



Drei Zinnen
Drei ZinnenDrei Zinnen



Tag 6: Jesolo - Caposile - Musile - Oderzo - Conegliano - Vittorio Veneto - Lago di Santa Croce - Longarone - Pieve di Cadore - Auronzo di Cadore - Col Sant´Angelo (Misurinapass, 1757 m) - Toblach - Lienz - Felbertauerntunnel - Kitzbühel - Kössen; 460 km

Viel zu früh musste es wieder nach Hause gehen. Bei wunderschönem Wetter machte ich mich auf den jetzt schon bekannten Weg Richtung Norden. Der altbekannte Stau in Vittorio Veneto war irgendwann auch überwunden, und diesmal sah ich auch etwas vom Lago di Santa Croce. Unter einem wolkenlosen Himmel ging es flott nordwärts. Der Passo di Zovo war leider gesperrt (zuerst hatte ich stundenlang die Abfahrt in Auronzo di Cadore gesucht), daher ging´s über den Misurinapass (mit grandiosem Blick auf die Drei Zinnen) ins Pustertal. Hinter Lienz wurde es dann im Schatten ziemlich frisch (also den letzten Pullover angezogen), und ich war erstmals froh, in den Felbertauerntunnel einfahren zu können, da es drinnen doch um einiges wärmer als draußen war. Auf dem Anstieg zum Pass Thurn konnte ich mich dann nochmals an den letzten Sonnenstrahlen wärmen, bevor die Kälte wieder von mir Besitz ergriff und mir die letzten Kilometer verleidete.









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